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Allgemeine Informationen

Warum ein Praktikum nach Ende der Ausbildung wichtig ist

In den letzten Jahren ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland in der homöopathischen Ausbildung ein Trend hin zu vermehrter klinischer Ausbildung zu beobachten. Viele Ausbildungsstätten werben mit klinischem Training, und die Studierenden wissen dies zu schätzen. Sie fürchten zu Recht, dass sie ansonsten in der eigenen Praxis dann erst einmal „zur Welt kommen“, also den sprichwörtlichen „Praxisschock“ erleiden.

Ein Praktikum nach Ende der Ausbildung ist in vielen Schweizer Kantonen Voraussetzung für die Zulassung. Auch das EMR fordert von angehenden Homöopathen vor der Registrierung 250 Stunden eigene Praxistätigkeit.

Praktikum oder klinische Beobachtung?

An vielen Ausbildungsstätten wird das klinische Training so durchgeführt, dass Video-Fälle der Ausbildenden betrachtet und analysiert werden. Im besseren Falle nehmen die Ausbildenden die Anamnesen direkt vor der Klasse auf und analysiert sie anschliessend zusammen mit den Studierenden. Wenn die Patienten dann später zum Follow up einbestellt werden, zeigt sich unmittelbar, ob im jeweiligen Fall richtig gedacht und gehandelt wurde.

Diese Form der praktischen Ausbildung besitzt einen hohen Wert. Es ist immer interessant und wichtig, erfahrene und kompetente Homöopath/innen bei ihrer Arbeit zu sehen. Sie wird jedoch korrekter mit „klinischer Beobachtung“ bezeichnet: man schaut zu, wie ein anderer behandelt.

Klinische Beobachtung kann jedoch niemals das eigene Üben ersetzen. Das wäre so ähnlich, als würde man Geige studieren, und hätte am Ende des Studiums noch nie selbst eine Geige in der Hand gehabt, sondern stets nur den Lehrer beim Geigespielen beobachtet.

Praktikum oder Praxishospitanz?

Hospitanz leitet sich ab vom lateinischen hospes Gast, Besucher. Bei einer Praxishospitanz begleitet man als Gast eine Zeitlang den Ablauf in einer Praxis. Wer Glück hat, findet auch einen entsprechenden Platz in einer naturheilkundlich orientierten Privatklinik.

Eine Hospitanz ist insgesamt eine empfehlenswerte und lehrreiche Einrichtung, bei der Einblicke in alltägliche Praxisabläufe und den allgemeinen Umgang mit Patienten gewonnen werden können: Akquisition, Terminplanung, Rechnungswesen, Telefonbereitschaft, Büroarbeiten, Berichte... Arbeiten wie diese werden später einmal bis zu 50% Ihrer Tätigkeit ausmachen! Darüber hinaus gibt eine Praxishospitanz auch meist einen guten Überblick über die häufigsten klinischen Bilder, mit denen Patienten eine homöopathische Praxis aufsuchen.

Wer plant, sich in eigener Praxis niederzulassen, ist gut beraten, diese preisgünstige und meist einfach zu organisierende Form der Fortbildung in Anspruch zu nehmen. Voraussetzungen gibt es meist keine, Sie können also bereits während Ihrer Ausbildung damit beginnen. Am besten suchen Sie sich freundliche Kollegen in Ihrer Region und vereinbaren Sie ein oder zwei Tage pro Woche, an denen Sie anwesend sein dürfen. Ein wenig Mitarbeit in der Praxis wird in der Regel als Gegenleistung erwartet.

Die Therapiemethode spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, weil sich ohnehin bei einer Praxishospitanz nur selten dabei die Gelegenheit zum eigenen Arbeiten am Patienten ergibt - hier gilt also das gleiche wie für die Klinische Beobachtung: eine Hospitanz ersetzt nicht das eigene Üben!

Kleingruppentraining unter Supervision

Am besten übt man – gerade zu Beginn der eigenen Praxis – unter direkter Betreuung von erfahrenen Ausbildenden. Dies zum eigenen Schutz, wie auch zum Schutz der so behandelten Patienten. Eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen, und dennoch nicht so einfach umzusetzen.

Qualifizierte Einzelbetreuung ist nämlich zeitraubend und teuer. Eine Möglichkeit, ein Praktikum zu vernünftigen finanziellen Konditionen durchzuführen, ist Kleingruppentraining unter Supervision.

Ein supervidiertes Kleingruppentraining sogar Vorteile gegenüber Einzelbetreuung, wenn folgendes dabei beachtet wird:

Selbstverantwortliches Lernen

Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Trainings ist, dass die Teilnehmenden in einer solchen Kleingruppe die Gelegenheit nutzen, die Verantwortung für ihr eigenes Handeln selbst zu übernehmen.

Gut zu wissen: selbstverantwortliches Lernen erleichtert später auch den Übergang in die eigene Praxis enorm, da das Arbeiten in der eigenen Praxis ein hohes Maß an Eigenverantwortung erfordert.

Selbstverantwortliches Lernen fördert gleichzeitig auch die Individualisierung der Ausbildung und kann daher nur im Sinne einer homöopathischen Berufsausbildung sein.

Nebenbei spart diese Eigenverantwortung auch noch Kosten und hilft so, die Teilnehmergebühren zu senken: Akquisition von Patienten, Telefondienst, Führung des Terminkalenders, Falldokumentation und Betreuung zwischen den Behandlungsterminen wird von den Teilnehmenden selbst durchgeführt.

Aufgabe und Kompetenzen der Ausbildenden

Die Ausbildenden stellen nicht nur den Raum zur Verfügung, sondern sind auch stets während der Behandlungen zugegen und leiten die Fallanalyse an.

Selbstredend ist eine wichtige Voraussetzung für diese Form des Lernens, dass die Ausbildenden die entsprechenden Kompetenzen für eine solche Arbeit mitbringen. Langjährige eigene Praxiserfahrung ist notwendig, reicht aber alleine nicht aus. Zusätzlich erforderlich sind regelmässige Weiterbildung in Kommunikation und Pädagogik, wie auch die Unterstützung durch ein Netzwerk von Kollegen/innen und Supervision.

Die Formulierung von Anforderungen an und die entsprechende Schulung von Ausbildenden, Lehrenden und Supervidierenden ist eine wichtige Aufgabe der homöopathischen Berufsverbände.

© Ulrike Kessler | Consulting, Design + Services: Enrico Sitelli *